Das Institut für Philosophie trauert um Thomas M. Schmidt

Liebe Menschen an den Fachbereichen 06 und 08,
wir bedanken uns für Ihre/Eure Anteilnahme am Tod unseres Kollegen, Lehrers und Freundes Thomas Schmidt.

Wir möchten alle, die keine Möglichkeit haben, an der Beisetzung in Berlin teilzunehmen, zu einer kleinen Gedenkfeier unseres Fachbereichs
einladen. Diese findet am Mittwoch, den 4. Februar von 17-18 Uhr in den Räumen der KHG statt.

Mit diesem Gedenken möchten wir insbesondere unseren Studierenden, den wissenschaftlichen und administrativ Mitarbeitenden Raum für Trauer und Abschied geben. Während der Gedenkfeier wird ein Kondolenzbesuch ausliegen, in das Sie sich eintragen können.

Für die Planung bitten wir um Anmeldung im Dekanat (veranstaltungen-fb07@dlist.server.uni-frankfurt.de).

Im Sommer werden wir eine akademische Gedenkfeier zu Ehren von Thomas Schmidt ausrichten und Sie hierzu im Laufe der nächsten Woche
informieren.

Mit stillem Gruß

Christoph Nebgen und Carmen Nols

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Am Morgen des 31.12.2025 ist für viele von uns gänzlich unerwartet unser hoch geschätzter Kollege Thomas M. Schmidt nach kurzer, schwerer Erkrankung im Alter von 65 Jahren verstorben. Thomas Schmidt hatte die Professur für Religionsphilosophie am Fachbereich 07 inne, er war dem Fachbereich 08 und dem Institut für Philosophie als Zweitmitglied eng verbunden.

Das Institut verliert mit ihm einen Kollegen, der die Aktivitäten und Entwicklungen des Instituts immer mit großem Interesse verfolgt und sich in den Belangen des Instituts selbst ausgesprochen konstruktiv engagiert hat.

Die religionsphilosophische Debatte der Gegenwart, nicht nur in Deutschland, verliert mit ihm einen ihrer profiliertesten Vertreter. Thomas Schmidt vertrat systematisch eine Religionsphilosophie, die sich an der Philosophie Hegels sowie der Weiterentwicklung hegelianischer Motive in der Philosophie des Pragmatismus orientierte und somit die Frage nach der Religion im Kontext einer Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen der Moderne thematisierte. Dies verbindet seinen Beitrag zur religionsphilosophischen Debatte mit der Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas, bei dem er, nach dem Studium der Katholischen Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, mit seiner Dissertation zu „Anerkennung und absolute Religion. Formierung der Gesellschaftstheorie und Genese der spekulativen Religionsphilosophie Hegels“ in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts an der Goethe Universität promoviert wurde. Nach einer Assistentenzeit bei dem Religionsphilosophen Hermann Schrödter am Fachbereich Katholische Theologie folgten Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie sowie ein erster Ruf auf eine Professur an der California State University, Long Beach. Ab 2003 lehrte Thomas Schmidt als Nachfolger von Hermann Schrödter auf der Professur für Religionsphilosophie im Fachbereich Katholische Theologie der Goethe Universität. Gleichzeitig war er Zweitmitglied am Institut für Philosophie. Viele Jahre war er zugleich als Geschäftsführender Direktor des in den neunziger Jahren gegründeten „Zentrums für religionsphilosophische Forschung“ der Universität tätig.

Im Kontext dieser dichten religionsphilosophischen Forschungslandschaft an der Goethe Universität entwickelte Thomas Schmidt in beständiger Kommunikation mit Jürgen Habermas sowie in Auseinandersetzung mit John Rawls, Robert Audi, Nicholas Woltersdorff, José Casanova oder Philipp Clayton eine Religionstheorie, die die Position eines vernünftigen Pluralismus moderner Gesellschaften im Sinn der Diskurstheorie mit der Annahme der Vernünftigkeit und somit einer rationalen Legitimität des religiösen Glaubens zu verbinden versuchte.

Wir betrauern den Verlust sehr und wir sind sehr dankbar für seine philosophische Arbeit und dafür, dass wir ihn zum Kollegen haben durften.

Für das Institut für Philosophie: Friedemann Buddensiek (GD), Matthias Lutz-Bachmann